Ein Jahr Handlungskonzept Radverkehr: Die Region zieht eine erste Bilanz

Die Region Hannover will mehr Menschen fürs Radfahren begeistern. Vor einem Jahr hat die Regionsversammlung deshalb das „Handlungskonzept Radverkehr“ beschlossen und zusätzliche Mittel von einer Million Euro jährlich bereitgestellt. Nun zog die Region eine erste Bilanz. „Das Handlungskonzept läuft rund, unsere Maßnahmen greifen“, sagte Ulf-Birger Franz Verkehrsdezernent bei der Region Hannover beim Pressegespräch am Dienstag (19. April).

Mehr als 800 Kilometer Alltagsnetz

Bis 2025 sollen in den 20 Regionskommunen und der Landeshauptstadt Hannover im Durchschnitt 21 Prozent der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Derzeit werden im Umland nur 12 Prozent der Wege mit dem Rad erledigt. In der Stadt sind bereits deutlich mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs. Das Handlungskonzept sieht den weiteren Ausbau des regionalen Radwegenetzes und die Modernisierung von Fahrradabstellanlagen vor. Zudem soll die Sicherheit von Radfahrenden erhöht werden.

Auch der ADFC Region Hannover begrüßt die Initiative des Kommunalverbands: „Wir sind immer noch erfreut über das Konzept. Es wurden in dem einen Jahr bereits viele Maßnahmen angestoßen, die nun allerdings auch umgesetzt werden müssen“, sagte ADFC-Sprecher Matthias Peuker. Mehr als 800 Kilometer umfasst derzeit das „Vorrangnetz für den Alltagsverkehr“, mit dem die Region mit direkten und sicheren Verbindungen insbesondere den Radverkehr zwischen Wohnort und Arbeitsstätte steigern will.

 

Region Handlungskonzept

Von Links: Ulf-Birger Franz, Dezernent für Wirtschaft, Verkehr und Bildung der Region Hannover, Elke van Zadel, Leiterin des Fachbereichs Verkehr der Region Hannover und Sina Wenning vom Team Verkehrsentwicklung und Verkehrsmanagement der Region.

Zusammenarbeit mit Kommunen läuft sehr gut

Bei der Planung, die Lücken im Radwegenetz beseitigt, hat auch der ADFC mitgewirkt. Komplett umgesetzt soll das Vorrangnetz spätestens in 13 Jahren sein. „Wir hoffen aber durch Fördertöpfe diesen Zeitraum auf sechs bis sieben Jahre verkürzen zu können“, sagte Elke van Zadel, Leiterin des Fachbereichs Verkehr der Region Hannover.

Insgesamt sind für den Ausbau, der unter anderem die Modernisierung bestehender sowie den Neubau von Radverkehrsanlagen vorsieht, 90 Millionen Euro zur Verfügung – nur 30 Millionen davon entfallen auf die Kreisstraßen, für welche die Region verantwortlich ist. Die restlichen Kosten werden von anderen Baulastträgern – also dem Bund, dem Land und den Kommunen getragen.

„Die Zusammenarbeit mit den Akteuren läuft sehr gut“, sagte Franz, der deshalb zuversichtlich ist, dass alle Kommunen das Konzept auch mittragen werden. Der Region stehen alleine jährlich nur 2,5 Millionen Euro Haushaltsmittel zur Verfügung. Noch in diesem Jahr sollen zwölf Sofortmaßnahmen umgesetzt werden, die insbesondere der Verkehrssicherheit dienen und hauptsächlich die Markierung von Schutzstreifen in Ortsdurchfahren enthält. Dafür werden 2016 1,56 Millionen Euro eingesetzt.

1.500 Fahrradbügel für die Region

Das Handlungskonzept umfasst aber nicht nur die Entwicklung eines Alltagsnetzes. Mit mehr Fahrradabstellplätzen will die Region die Attraktivität des Radverkehrs in den Städten und den Kommunen steigern. Hier konnten bereits erste Erfolge erzielt werden: An einem Bügelprogramm, bei dem die Region 1.500 Fahrradbügel finanziert und den Kommunen zur Verfügung stellt, beteiligen sich zwölf Kommunen. Schon im April sollen die ersten Bügel von den Kommunen eingebaut werden. „Durch das Programm kann die Region gemeinsam mit den Städten und den Gemeinden die Abstellsituation für Radfahrer spürbar verbessern“, sagte Sina Wenning vom Team Verkehrsentwicklung und Verkehrsmanagement der Region.

In den nächsten Jahren sollen neben den Standardbügeln auch Modelle für Kinder- und Lastenräder angeboten werden. In Kirchdorf wird zudem mit saisonal aufgestellten Fahrradbügel experimentiert, die im Winter wieder abgebaut werden. In Neustadt sollen am Bahnhof zudem Ladestationen für elektronische Fahrräder aufgestellt werden.

Mehr Akzeptanz für Radmitnahme

Neben dem Abstellen will die Region auch die Mitnahme von Rädern in Bus und Bahn vereinfachen. Hier soll im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplan eine Untersuchung stattfinden. Aus dieser sollen Maßnahmen abgeleitet werden, welche die Akzeptanz der Radmitnahme im öffentlichen Nahverkehr steigern soll. Im Sommer folgen zudem mehrere Aktionen für den Radverkehr – unter anderem auch erstmals eine im Umland durchgeführte Velo-City-Night. Start und Ziel am Freitag, 17. Juni, ist Langenhagen.

„Wir würden uns wünschen, dass sich die Region und die Stadt Hannover bei ihrer Arbeit besser ergänzen“, sagte Peuker. Die Stadt hat mit der Initiative „Lust aufs Fahrrad“ gerade eine eigene Imagekampagne fürs Fahrrad gestartet.



 


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